Götter und Geister


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In der Spielzeugabteilung eines ehrenwerten Tokioter Kaufhauses findet sich dieser Modellbausatz „Girls und Panzer“. WTF?, denke ich und knips das erst mal zum späteren Eruieren (schönes Wort).
Die deutsche Wikipedia ist natürlich kein Auskunftsbüro; aus der englischen geht schon mal hervor, dass das kein Nischenprodukt sondern eine erfolgreiche Zeichentrickserie mit dem ganzen Drumherum ist. Erhellende deutsche Kritiken gibt’s in diesem Anime-Fan-Forum. Die japanische Homepage hat eine Auflistung der Charaktere und, uhh, der Panzer. Zu guter Letzt noch 3 Youtube-Links: Good morningKatjuschaEnde. Niedlich.

Frage: Sind die Japaner von allen guten Geistern verlassen?
Wer sich das anhand des Kartons oben fragt, steht wohl nicht gänzlich allein im Raum.
Wer sich das nach den obigen Links immer noch ernsthaft fragt, ist vom Verstehenwollen fremder Kultur soweit entfernt wie von seinem Humor.
Antwort: Mitnichten. Sie haben’s einfach drauf, sich herauszupicken, was ihnen passt und mixen es auch noch nach ihrem Belieben.

Guter Gott!
Da fängt’s schon mal mit an: Nix Gott. Nix zentrale Kirchen.
Der gemeine Japaner hat es, kulturell eingewebt oder auch ausdrücklich praktiziert, mit Spiritualität, Göttlichkeit in der Natur (belebter und unbelebter), Geist der Ahnen, innerer Reinheit. Das wäre als Religionsschublade dann erst mal Shinto. Der von außen gekommene Buddhismus hat sich mit dem Shinto gut vertragen, und so koexistieren beide. Nur wenn’s ans Beerdigen geht, hat wohl der Buddhismus das Monopol.
Japan ist übersät mit Shinto-Schreinen und buddhistischen Tempeln – viele große und Myriaden von kleinen, immer einer ums nächste Eck. Alle haben ihre eigene Story, Heiligtümer, Feste und spirituelle Spezialisierung.
Historisch hat man versucht, den Japaner an ’seinen‘ lokalen Schrein/Tempel zu binden und, später, ihm Shinto als Staatsreligion mit dem Kaiser als Gottgesandten überzuhelfen. Letzteres hatte man wahrscheinlich wie die englische Eisenbahn und die deutsche Bürokratie aus Europa importiert. Hat nix gebracht. Jede Umfrage in Japan mit dem Versuch einer prozentualen Auswertung der Religionszugehörigkeit bringt andere Ergebnisse. Weil der Japaner da macht was ihm passt.
Erfolg bei der nächsten Prüfung? Kind geboren oder ein bestimmtes Alter erreicht? Gesundheit für sich oder die Familie wünschen? Einer der lokalen Schreine/Tempel bietet da bestimmt was an oder hat einen entsprechenden Ruf. Gegebenenfalls tut’s auch mal einer der Großen. Oder der eigene Mini-Schrein in der Wohnung.
Das Motto scheint zu sein: Wenn ich etwas will, gehe ich hin wo ich mag. Wenn ich nichts will, geh ich auch nicht hin. Und wollen muss ich nichts. Bis auf die Familientradition, um die kommt keiner auf diesem Planeten herum 😉

Neuerdings wären ‚christliche‘ Hochzeiten im Trend, heißt es. Quark: Heiraten in Weiß wie im Film ist bei den Japanern in Mode. Der Japaner weiß was er will: die Pracht und die Romantik, nicht noch’n Gott. Und wenn sie es witzig findet, fährt sie dann auch mit dem Panzer vor, selbstverständlich entsprechend gestylt.

PS: Meine neuen Talismane (aus’m Tempel 7Eleven)
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PPS: Gedenken auf einem japanischen Friedhof
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